Dorfleben in der alten Ausspanne:

Reinshagen zwischen Dorfladen, Café und Gemeinschaft

 

Weniger als 50 Einwohnerinnen und Einwohner, aber jede Menge Engagement. „Dorfmoderatorin“ Elke Zielonka aus Reinshagen im Landkreis Rostock erzählt, wie gemeinsames Engagement einen Ort verändern kann und wie man wieder ins Gespräch kommt, wenn Meinungen auseinandergehen.

 

Dein Herz schlägt für Reinshagen, einen Ortsteil von Lalendorf im Landkreis Rostock. Hier engagierst du dich seit Jahren. Erzähl doch mal, was verbindet dich mit dem Ort?

Elke Zielonka: Reinshagen ist ein sehr kleines Dorf mit nicht einmal 50 Einwohnern. Ich lebe hier mit meinem Mann und meinen beiden Kindern. Ganz im Zentrum steht das Haus, über das ich überhaupt in dieses Dorf gekommen bin, die alte „Ausspanne“. An dem denkmalgeschützten Hause habe ich vor 30 Jahren als FÖJlerin mitgebaut. Tatsächlich bin ich über das Haus im Ort geblieben. In unserem kleinen, aber feinen Dorf machen wir viele Sachen zusammen. Ich bin gelernte Landschaftsgärtnerin und habe in Rostock Landeskultur und Umweltschutz studiert. Deshalb kümmere ich mich vor allem um unsere Bauprojekte im Dorf haben, habe in der Zwischenzeit aber auch einige ehrenamtliche Aufgaben übernommen.

Das klingt nach einer sehr aktiven Dorfgemeinschaft.

Ja, in der „Ausspanne“ findet das Dorfleben statt. Wir haben das Gebäude mit einem Verein übernommen und versuchen es Stück für Stück weiter zu renovieren. Wir haben dort zum Beispiel einen kleinen Dorfladen, der so funktioniert, dass wir alle Zugang zu haben im Dorf und auch ein paar Leute aus den Nachbardörfern. Einmal die Woche werden wir beliefert, dann wird eingeräumt und verteilt. Als Dorfgemeinschaft haben wir uns entschieden, dass wir das gerne in Gemeinschaft machen wollen. In den gleichen Räumen betreiben wir im Sommer am Wochenende auch ein Café. Ein paar von uns backen Kuchen und es sind immer ein, zwei Leute da, die im Café stehen und den Kaffee servieren. Außerdem ist die „Ausspanne“ für uns vor allem wichtig als Treffpunkt, um uns untereinander und mit Menschen von außerhalb zu treffen. 
 

Du bist also schon seit Jahren ehrenamtlich aktiv. Dennoch hast du dich entschieden, dich zur „Dorfmoderatorin“ weiterzubilden und hast dich auf den Aufruf der Hochschule Neubrandenburg für die Weiterbildung „Dorfmoderation“ angemeldet. Was gibt es denn zu lernen, was einem vor Ort beim Engagement für das eigene Dorf helfen kann?

Einfach ganz viele kleine nützliche Hinweise. In der Fortbildung bekommt man Instrumente an die Hand und Inspirationen, was alles in einem Dorf möglich ist. Man bekommt Tipps und Ideen für die Umsetzung von Projekten, zur Fördermittelsuche und Informationen zum Vereinsrecht und außerdem Handwerkszeug im Bereich Moderation. Ich bin total froh, dass ich die Weiterbildung gemacht und hierfür Zeit investiert habe. Denn die Fortbildung bringt auch mit sich, dass man andere Menschen trifft, die sich ebenfalls für ihr Dorf einsetzen wollen, aber trotzdem auch ganz anders als man selbst sind. Es motiviert, wenn man sieht, dass andere auch etwas machen. Ein Auslöser für die Teilnahme an der Dorfmoderationsfortbildung war auch, dass in dem Ausbildungsdurchgang 2025/26 das Thema Klimaschutz mit reinkam. Davon habe ich mich angesprochen gefühlt, weil ich mich ehrenamtlich im Klimaschutz engagiere und das ein ganz wichtiges Thema für mich ist.

 

Der Fortbildungskurs „Dorfmoderation“ ist ein kostenfreies Angebot der Hochschule Neubrandenburg, an dem jeder auch ohne besondere Vorkenntnisse teilnehmen kann. Mit viel Praxis, Kreativität und dem passenden Werkzeug lernen die Teilnehmenden, wie sie Gespräche anstoßen, Menschen zusammenbringen und Projekte für Dorfentwicklung auf den Weg bringen. Im Herbst/ Winter 2025/26 wurde der Kurs über das Landesprogramm MV tut was. Klimaschutz vor Ort. finanziert und um Inputs, Informationen und Praxistipps zum Thema Klimaschutz im Dorf erweitert.

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Über die Fortbildung hast du zum Beispiel Jette aus Faulenrost bei Malchin kennengelernt und ihr habt festgestellt, dass euch beide die Frage sehr umtreibt, wie es gelingen kann, im Dorf auch über kontroverse Themen zu sprechen. 

Ja, ich finde es total wichtig, dass wir als Gesellschaft mehr miteinander reden - und zwar auch gut und entspannt über potenziell kontroverse Themen. Ich halte das gerade deshalb für total wichtig, weil die Spaltung, die wir in der Gesellschaft seit der Corona-Krise haben, irgendwie nicht weniger wird. Selbst bei uns in der Dorfgemeinschaft, die wir wirklich viel miteinander machen, merke ich, dass wir bestimmten Themen einfach aus dem Weg gehen und uns nicht darüber austauschen, wenn wir im Café sitzen und plaudern. Für eine größere Verbundenheit im Dorf wäre es aber gut, miteinander auch über solche Dinge zu sprechen. Für ein gutes Klima im Dorf und um die Gräben zwischen uns abzubauen. 

 

Was genau kann man hier tun?

Man kann verschiedene Meinungen haben, aber es hilft einfach, wenn man den anderen auch besser versteht, wie er dahin kommt und wie er denkt. Hierfür wurde von einem Berliner Verein das Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“ entwickelt. Ich halte das Format für sehr geeignet und möchte es gern selber umsetzen können.  Das Format gibt einen ganz genauen Ablauf vor und sorgt so tatsächlich dafür, dass wirklich jeder zum Zuge kommt – sowohl mit dem Sprechen als auch, dass einem wirklich zugehört wird und dass man selber auch den anderen zuhört.

„Selbst bei uns in der Dorfgemeinschaft, die wir wirklich viel miteinander machen, merke ich, dass wir bestimmten Themen einfach aus dem Weg gehen und uns nicht darüber austauschen, wenn wir im Café sitzen und plaudern. Für eine größere Verbundenheit im Dorf wäre es aber gut, miteinander auch über solche Dinge zu sprechen. Für ein gutes Klima im Dorf und um die Gräben zwischen uns abzubauen. “


Elke Zielonka, Dorfmoderatorin in Reinshagen

Der Effekt ist also, dass alle einander richtig gründlich zuhören und so überhaupt wirklich verstehen darin, was ihnen wichtig ist – ohne dass man sich zwangsläufig auf eine gemeinsame Meinung einigen muss?

Ja genau. Jeder bleibt bei sich, erzählt von den eigenen Erfahrungen und Empfindungen, niemand wird für das Gesagte verurteilt oder angegriffen. Dadurch entsteht ein Raum für offenen Austausch und Verständnis. Diese Erfahrung konnte ich bereits beim online-Format von „Sprechen und Zuhören" machen und deshalb möchte ich es gerne auch vor Ort umsetzen. Ich denke, es braucht beides, dieses sich einfach zwanglos miteinander im Café treffen und quatschen und aber auch mal ein bisschen tiefgründig über andere Themen sprechen.

 

Und wie gehst du es jetzt an, das Format bei dir im Dorf umzusetzen?

In der Fortbildung „Dorfmoderation“ habe ich von dem Format berichtet und, dass es in MV bisher leider kein Weiterbildungsangebot gibt, mit dem man sich qualifizieren kann, um das Format dann selbst umsetzen zu können. Vor allem Jette, die ich im Kurs „Dorfmoderation“ kennengelernt habe, war sehr begeistert und hat dann gesagt: „Dann machen wir das jetzt! Dann organisieren wir so eine Fortbildung.“ Wir schauen gerade gemeinsam, wie wir das umsetzen können.

Das klingt, als würdest du als Dorfmoderatorin weiterhin ganz viel ehrenamtlich für dein Dorf aktiv sein.

Ja, ich mache schon einiges, aber ich mache das natürlich überhaupt nicht alleine. Und alleine würde es mir auch gar keinen Spaß machen, sondern es ist immer wichtig zu wissen, dass andere Menschen auch Interesse haben und auch mitziehen. Deshalb möchte ich nochmal in den Fokus stellen, dass auch wenn wir uns jetzt „Dorfmoderatorinnen“ nennen, der Fokus immer darauf liegt, dass man gemeinsam etwas macht.

 

Das Interview führte Pauline Zschach, fint e.V.

„Also ich mache da ganz viel, aber ich bin das natürlich überhaupt nicht alleine. Und alleine würde es mir auch gar keinen Spaß machen, sondern es ist immer wichtig zu wissen, dass da andere Menschen auch Interesse haben und auch mitziehen.“


Elke Zielonka, Dorfmoderatorin in Reinshagen

Neugierig geworden auf das Format Dorfmoderation?

MV tut was.

Klimaschutz vor Ort: Sichtbar machen. Menschen unterstützen. Teilhabe fördern.

 

Das Format Dorfmoderation. findet statt im Rahmen des Programms MV tut was. 

Im Programm MV tut was. entstehen neue Impulse für Teilhabe und Klimaschutz vor Ort. Das Programm macht Engagement und gute Beispiele sichtbar, unterstützt Menschen im ländlichen Raum und fördert Teilhabe. Für ein zukunftsfähiges Miteinander in der Region.

 

Hier Projekte und Akteure aus dem Programm entdecken

In Kooperation mit

Das Programm MV tut was. wird ermöglicht durch das Land Mecklenburg-Vorpommern.

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