Klein Siemen mit großen Plänen

 

Vom eigenen Solarpark bis zum geretteten Dorfteich: Wie ein 50-Seelen-Dorf sein Fachwissen bündelt, um sich ökologisch und energetisch fit für morgen zu machen

Wer nach Klein Siemen kommt, fährt durch eine Allee aus alten Rosskastanien. Hinter ihr öffnet sich ein kleines Gutsdorf mit hufeisenförmiger Anlage, klaren Strukturen und einem ganz eigenen Charakter. Seit mehr als 700 Jahren ist Klein Siemen Heimat für Menschen. Heute leben hier rund 50 Einwohnerinnen und Einwohner, umgeben von umgebauten und rekonstruierten Gebäuden, die einst dem Gutsbetrieb dienten und bis heute das Ortsbild prägen.

Südlich von Kröpelin gelegen, wirkt Klein Siemen auf den ersten Blick ruhig. Doch wer genauer hinsieht, merkt schnell: Hier wird intensiv gedacht, engagiert diskutiert und aktiv gestaltet – von einer Gemeinschaft, die ihr Dorf zukunftsfähig aufstellen will.

Handwerker, Therapeutin, Elektromeister – alle wollen ihr Dorf gestalten

In der offenen Wohnküche von Doris und Johann-Günther König dampft ein großer Topf Minestrone, Kaffeetassen stehen bereit. Draußen perlen Wassertropfen eines morgendlichen Schauers von den alten Apfelbäumen im Garten.
„Das haben wir für uns alle vorbereitet, damit wir nicht auf leeren Magen Pläne schmieden müssen“, sagt Doris lächelnd.

Nach und nach treffen die ersten bekannten Gesichter ein. Man begrüßt sich herzlich, tauscht Neuigkeiten aus. Was eine Maßschneiderin, eine Unternehmensberaterin, ein Ingenieur, ein Schriftsteller, Handwerker, eine Therapeutin, ein Architekt, ein Elektromeister und weitere Engagierte an diesem Vormittag verbindet, ist der Wunsch, etwas für ihr Dorf zu bewegen. Ebenso vor Ort ist das zweiköpfige Moderationsteam des Workshop-Formats Dorfklima.Werkstatt., die die heutigen Diskussionen strukturieren und für die Dokumentation verantwortlich sind.

Die Klein Siemerinnen und Siemer treffen sich heute zum dritten Mal mit ihrem Moderationsteam, um den sogenannten Dorfklimaplan abzustimmen. Er ist das Kernstück dessen, was im Rahmen der dreiteiligen Workshop-Reihe Dorfklima.Werkstatt gemeinsam erarbeitet wird. „Das ist nicht das erste Mal, dass wir als Gemeinschaft zusammenkommen, um über Zukunftsthemen in Klein Siemen nachzudenken, aber uns hat bisher einfach die Struktur gefehlt, um vom Reden wirklich in die Umsetzung zu kommen“, sagt eine der engagierten Bewohnerinnen, die Maßschneiderin, mit Blick in die Runde. „Daher freuen wir uns sehr über die Hilfe des Moderationsteams. Durch die Workshops und das Strukturieren der Themen bekommen wir eine Klarheit für die nächsten konkreten Schritte bei uns im Dorf. Das hätten wir so alleine nicht hinbekommen.“

Den Hofteich retten

Beim Rundgang durch den Ort wird schnell deutlich, worum es geht: Der Hofteich führt kaum noch Wasser und ist versandet. Eine andere Teilnehmende aus der Runde, die Therapeutin, erinnert sich genau: „2000 haben wir uns an Neujahr zum Anstoßen noch auf dem Eis verabredet. Und früher konnte man sogar drin schwimmen! Davon habe ich noch Bilder im Familienalbum. Jetzt ist dort nur noch eine überwucherte Pfütze.“

Der Hofteich, einst Schwimm- und Löschwasserstelle, ist ausgetrocknet. Dabei sind Kleingewässer ein wichtiger Lebensraum für geschützte Vogelarten wie Eisvogel, Kranich, Seeadler und Wachtelkönig, die hier beheimatet sind. Und sie sorgen in zunehmend heißer werdenden Sommern für Abkühlung vor Ort. Erste Ideen von Uferbepflanzung, über die Wiederherstellung naturnaher Zuläufe bis hin zu Entsorgung und Vermeidung von Ablagerungen stehen auf dem Plan. „Es soll wieder etwas ins Rollen kommen“, sagt die Gastgeberin der Workshop-Runde. „Das wünschen wir dem Teich.“ Parallel dazu entwickeln die Bewohnerinnen und Bewohner auch Ideen für die angrenzende Dorfwiese als sozialen Treffpunkt.

„Es soll wieder etwas ins Rollen kommen. Das wünschen wir dem Teich.“


Doris Heitkamp-König, Klein Siemen

Energieversorgung gemeinsam denken: Siemergie

In Klein Siemen sprechen die Menschen nicht nur über den Dorfteich, sondern auch über ein gemeinschaftliches Energiekonzept, das sie „Siemergie“ nennen: „Wir wollen, dass der Strom für alle bezahlbar bleibt und wir uns auch selbst versorgen können“, fasst einer der Teilnehmenden, der Elektromeister, zusammen. Nachgedacht wird über ein lokales Stromnetz, das sich aus einem Solarpark speist, über Mess- und Zähltechnik und faire Abrechnungsmodelle. Klar wird auch: Nicht alles ist sofort umsetzbar. Aber erste pragmatische Schritte zeichnen sich ab.

 

Gemeinsam ins Tun kommen

Was Klein Siemen besonders macht, ist die Mischung aus Alltagswissen, Erfahrung und Gestaltungslust. Viele der Beteiligten sind mittlerweile im Ruhestand und bringen ihre Zeit und ihr Wissen bewusst ein. „Wir wollen ein Dorf sein, das sich selbst unterstützen kann“, sagt Doris am Ende des intensiven Workshop-Tages. „Ohne das Team der Dorfklima.Werkstatt. wären wir heute nach dem dritten Treffen sicher nicht zum selben Ergebnis gekommen. Das Ordnen unserer vielen Ideen und auch die fachliche Unterstützung haben dazu geführt, dass wir jetzt einen Dorfklimaplan haben.“ Den wollen die Klein Siemer und Siemerinnen nun Stück für Stück umsetzen.

Als der Workshop ausklingt, sitzen die Teilnehmenden noch zusammen. Die großen Fragen sind nicht direkt heute alle gelöst worden – aber sie sind sortiert, benannt und auf den Weg gebracht. In Klein Siemen hat der Dorfklimaplan ein Gesicht bekommen: das einer Gemeinschaft, die Dorfteich, Energieversorgung und Zusammenhalt zusammendenkt und so Schritt für Schritt das Dorf voranbringt.

Neugierig geworden auf das Format Dorfklima.Werkstatt?

 

 

 

Hier erfahren Sie Weiteres zum Format und den anderen teilnehmenden Gemeinden. Die Dorfklima.Werkstätten. werden von LandLabor durchgeführt.

MV tut was.

Klimaschutz vor Ort: Sichtbar machen. Menschen unterstützen. Teilhabe fördern.

 

Das Format Dorfklima.Werkstatt. findet statt im Rahmen des Programms MV tut was. 

Im Programm MV tut was. entstehen neue Impulse für Teilhabe und Klimaschutz vor Ort. Das Programm macht Engagement und gute Beispiele sichtbar, unterstützt Menschen im ländlichen Raum und fördert Teilhabe. Für ein zukunftsfähiges Miteinander in der Region.

In Kooperation mit

Das Programm MV tut was. wird ermöglicht durch das Land Mecklenburg-Vorpommern.

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