Die Transformationsreise Wirtschaft 2025 hat erneut gezeigt, dass nachhaltige und zukunftsfähige Unternehmensentwicklung dort entsteht, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Seit 2022 bringt das Format Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern mit Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Beratung in Tandems zusammen. Ziel ist es, Transformation nicht abstrakt zu diskutieren, sondern konkret, praxisnah und gemeinsam zu gestalten.
Von Mai bis Oktober arbeiteten die Tandems an sehr unterschiedlichen Fragestellungen, die jedoch eines verband: der Mut, bestehende Routinen zu hinterfragen und neue Wege zu erproben.
Die Transformationsreise 2025 umfasste sechs Tandems aus dem ganzen Land, die sich sehr unterschiedlichen Ausgangslagen und Fragestellungen widmeten. Gemeinsam war ihnen der offene, moderierte Prozess – nicht jedoch die Fragestellungen im Unternehmen. Sie zeigen das breite Verständnis sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit auf:
Im Mittelpunkt stand das Thema Mitarbeiterzufriedenheit und Verbundenheit. Ausgangspunkt waren wahrgenommene Defizite in Kommunikation, Transparenz und Führung. In einem mutigen Schritt wurden alle Mitarbeitenden in einen gemeinsamen Workshop einbezogen. Ergebnis waren klar benannte Handlungsfelder, regelmäßige Austauschformate und konkrete Vereinbarungen, die Mitarbeiterzufriedenheit als Grundlage nachhaltiger Unternehmensentwicklung verankern.
Dieses Tandem beschäftigte sich mit der Frage, wie regionale Wertschöpfung für Kund:innen verständlich und glaubwürdig sichtbar gemacht werden kann. Entwickelt wurde der “Regio-Score”, ein Ansatz zur Bewertung regionaler Produkte anhand klarer Kriterien (u. a. Produktionsort, Logistik, Verpackung), der Orientierung bietet und regionale Anbieter stärkt – ohne moralischen Zeigefinger, sondern alltagsnah und transparent.
Unter dem Titel „Nachhaltigkeit trifft Bürokratie“ setzte sich das Tandem mit den wachsenden regulatorischen Anforderungen auseinander. Aus anfänglicher Überforderung entwickelte sich ein strukturierter Umgang mit Nachhaltigkeitsberichterstattung, Wesentlichkeitsanalyse und interner Abstimmung. Zentrale Erkenntnisse waren die Bedeutung von klaren Prozessen, Transparenz und bereichsübergreifender Zusammenarbeit.
Der Campingplatz Ostseequelle befindet sich bereits auf einem weit fortgeschrittenen Weg in Richtung nahezu klimaneutralem Betrieb. Im Fokus der Transformationsreise standen die Reflexion bisheriger Maßnahmen, die Sensibilisierung von Gästen sowie die Frage, wie Nachhaltigkeit sichtbar kommuniziert werden kann.
Dieses Tandem startete von einer anderen Ausgangslage: mit sehr hohen Energieverbräuchen und einem klaren Investitionsbedarf. Gemeinsam wurden Energieflüsse analysiert, Einsparpotenziale identifiziert und große Transformationsschritte vorbereitet – darunter Photovoltaik, Stromspeicher und Verbrauchsmessung. Deutlich wurde, dass Transformation hier ein langfristiger Prozess mit großen, aber notwendigen Investitionen ist.
Unter dem Motto „Vom Küstenabfall zur Ressource“ wurde angespültes Seegras als Rohstoff der Zukunft neu gedacht. Durch thermochemische Konversionsprozesse eröffnen sich Einsatzmöglichkeiten als Werkstoff, Filtermedium oder Energieträger. Das Tandem zeigte eindrucksvoll, wie regionale Umweltprobleme zu Ausgangspunkten für Innovation und geschlossene Stoffkreisläufe werden können.
Die Abschlussveranstaltung im Oktober 2025 stand unter dem Schwerpunkt „Offene Innovationsprozesse“. Deutlich wurde: Innovation entsteht selten im Alleingang. Sie braucht Austausch über Organisations-, Branchen- und Sektorengrenzen hinweg.
Impulse aus Wissenschaft und Praxis machten sichtbar, dass gerade ländliche Räume ein großes – oft unterschätztes – Innovationspotenzial besitzen. Voraussetzung dafür sind soziale, räumliche und thematische Offenheit sowie niedrigschwellige Formate für Austausch, Vernetzung und gemeinsames Lernen.
Die Transformationsreise Wirtschaft bietet genau diesen Raum: Zeit zum Innehalten, zum Perspektivwechsel und zum Entwickeln tragfähiger nächster Schritte.
Die Transformationsreise Wirtschaft 2025 endete nicht mit der Abschlussveranstaltung. Viele der angestoßenen Prozesse wirken in den Unternehmen weiter – in Form neuer Routinen, Pilotprojekte, Dialogformate oder Investitionsentscheidungen.