Wenn Auszubildende anpacken:
Ein Pausenort, der mehr kann

 

Amy Störr, Finja Spiegel und Tobias Frenzel gehen bei der Tischlerei Jan Granzow GmbH im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in die Lehre. Sie sind Anfang 20 und haben sich dem Holzhandwerk verschrieben und dem Plan, ihre Mittagspausen auf einer selbst gebauten Terrasse in der Sonne zu verbringen.

 

Euer Herz schlägt für Holz und ihr absolviert alle drei eine Ausbildung bei der Tischlerei Jan Granzow GmbH. Erzählt doch mal, warum habt ihr euch für die Ausbildung in diesem Betrieb entschieden?

Amy Störr: Bei der Tischlerei Jan Granzow haben wir die Möglichkeit sowohl Platten und Werkstoffe als auch Vollholz zu verarbeiten. Wir können also auch im Bereich Möbelbau kreativ werden. Ich finde es generell gut, dass es keine Fließbandarbeit ist, sondern, dass wir in viele Prozesse integriert sind und der Arbeitsalltag dadurch abwechslungsreich ist.

Finja Spiegel: Bei mehreren Betrieben bekam ich keine Rückmeldung und die meisten Tischlereien haben auch keinen Meister mehr. Dann habe ich ein Praktikum bei dieser Tischlerei gemacht und das hat mir gut gefallen. Der Betrieb ist breit aufgestellt mit unterschiedlichen Maschinen und es ist auch einfach ein toller Beruf.

Tobias Frenzel: Ich habe mich im Betrieb beworben und wurde zum Praktikum eingeladen. Da es mir gut gefallen hat und ich nur einen Arbeitsweg von 10 Minuten habe, war die Sache schnell klar.

Mir war gar nicht bewusst, dass sich der Arbeitsalltag in Tischlereien so unterscheidet. Schön, dass ihr einen Betrieb gefunden habt, bei dem ihr kreativ werden könnt. Dieses Gestalten und Selbermachen habt ihr dann auch in euer Projekt bei Land.Leben.Klima. mitgebracht. Was hat euch dazu bewegt mitzumachen?

Amy Störr: Unser Meister hat uns auf das Projekt gebracht, denn er hatte davon gehört und uns gefragt, ob wir da nicht mitmachen wollen. Wir hatten Lust unser eigenes Projekt zu haben und selbst gestalten zu können. Aber auch weil wir der Firma etwas zurückgeben wollten. Denn die Pausenbereiche sind etwas ausarbeitungsfähig bei uns. Wir sitzen alle sonst drinnen im Pausenraum und da ist nicht genug Platz für alle. Und im Sommer möchte man auch einfach draußen die Sonne genießen können und nicht nur drinnen hocken.

 

Zu wenig Platz, zu wenig Sonne – da lag eine Terrasse fast auf der Hand. Wie ist die Idee konkret entstanden?

Tobias Frenzel: Die Idee einer Terrasse war tatsächlich schon vorher da. Aber es war nur ein Grundplan aufgestellt und noch nichts Konkretes passiert. Deswegen haben wir uns dann eingeklinkt, um daraus unser Projekt für Land.Leben.Klima. zu entwickeln. 

Amy Störr: Wir haben auch im Kollegium gefragt, was einen guten Pausenplatz ausmacht. Durch die Umfrage wurde deutlich, dass die Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind – manche wollen entspannen und sich auch mal hinlegen können, andere am Tisch sitzen, wieder andere einfach Sonne und frische Luft genießen. So haben wir festgestellt, dass wir unterschiedliche Bereiche brauchen. Denn es wäre einfach toll, wenn es ein schöner Pausenort für alle wäre.

„Wir hatten Lust, unser eigenes Projekt zu haben – aber auch weil wir der Firma etwas zurückgeben wollten. Denn drinnen im Pausenraum ist einfach nicht genug Platz für alle. Und im Sommer möchte man auch mal draußen die Sonne genießen.“


Amy Störr, Auszubildende bei der Tischlerei Jan Granzow GmbH

Ihr wolltet ja nicht nur einen Pausenort für alle errichten, sondern auch einen, der zum Nachdenken anregt. Als kleiner Türöffner sozusagen. Was ist das Konzept dahinter?

Finja Spiegel: Genau, wir wollten einen Umweltaspekt mit einbringen in unser Projekt. Zum Beispiel mit einem begrünten Terrassendach. Damit wir, wenn wir jetzt den ganzen Platz für die Terrasse nutzen auch der Natur etwas zurückgeben und die Insekten Nahrung finden bei unseren Pflanzkästen.

Amy Störr: Wir wollten die Pause, die ohnehin schon positiv besetzt ist bei uns Menschen, gedanklich mit Nachhaltigkeit verknüpfen. Denn auf der Terrasse draußen im Grünen wird deutlich: Ich brauche die Natur und sie tut mir etwas Gutes. Und vielleicht kann das nachhaltig etwas im Kollegium anstoßen. Wir wollten unsere Kollegen dazu bringen, sich zu engagieren. Denn bei der Gestaltung der Terrasse haben sie die Möglichkeit mitzuwirken, was wiederum den positiven Effekt hat, dass sie es gut finden, wenn es grün wird. Einem Kollegen, der sich das explizit von uns gewünscht hatte, haben wir ein Tomatenhaus gebaut – und er ist schon fleißig am Tomatenziehen.

 

Bei einem so großen Projekt im Betrieb braucht es bestimmt viele helfende Hände. Habt ihr alles allein gestemmt oder wo hattet ihr Unterstützung bei eurem Projekt?

Tobias Frenzel: Für den Terrassenbau hatten wir Hilfe von einem Zimmermann, weil wir davon gar keine Ahnung hatten.

Amy Störr: Und wir hatten noch Unterstützung bei der Begrünung des Terrassendachs. Das haben wir zwar in Eigenleistung raufgebracht und auch angelegt, aber wir haben uns vorher von einem Dachdecker beraten lassen. Er hat uns bei der Konstruktion geholfen, damit die Begrünung nicht über den Rand hinauswächst, das Wasser gut ablaufen kann und das Dach am Ende auch stabil ist. Und natürlich haben auch die Kollegen mal mit angefasst. Und auch unser Meister hatte immer ein offenes Ohr und hat mit uns versucht, das Projekt zu koordinieren, damit wir auch genug Zeit dafür bekommen.

Also ein Projekt, das verschiedene Handwerke miteinander verbindet. Dabei habt ihr bestimmt auch viel dazu gelernt. Wie reagiert denn euer Kollegium auf euer Projekt?

Amy Störr: Unsere Kollegen sind schon ein bisschen aufgeregt habe ich das Gefühl. Denn sie fragen häufig, wie weit wir sind und wann die Terrasse freigegeben wird. Tatsächlich sitzen wir Azubis jetzt schon alle draußen auf der unfertigen Terrasse, um das schöne Wetter zu genießen. Wenn dann die Sonne scheint, fühlt sich das gleich positiv an. Da ist schon eine Vorfreude im Betrieb zu spüren.

 

Jetzt haben wir schon viel über die Stimmung und Unterstützung im Betrieb gesprochen. Und ich bin mir sicher, dass die Eröffnung der Terrasse sehr positiv aufgenommen wird. Was überzeugt euch denn persönlich an eurem Projekt?

Tobias Frenzel: Draußen Pause machen ist schöner als drinnen Pause machen. Und auf einer selbstgebauten Terrasse ist noch ein bisschen schöner.

Finja Spiegel: Einfach, dass man draußen in der Sonne sitzen kann. Darüber freue ich mich am meisten, weil man den ganzen Tag in der Firma bei staubiger Luft verbringt und dann in der Mittagspause raus in die Sonne gehen oder einfach mal frische Luft schnappen kann.

Amy Störr: Es hat schon Spaß gemacht, aber es ist auch einfach Knochenarbeit. Also zu zweit schafft man das nicht. 20 Fundamente per Hand 1,5 Meter tief im Regen ausgraben, war doll.

Es ist deutlich zu spüren, wie viel Herzblut und schwere Arbeit ihr in den Pausenort gesteckt habt. Was möchtet ihr denn anderen Auszubildenden für ihre Lehre gern mitgeben? Vor allem, wenn sie solche großen Projekte starten möchten?

Finja Spiegel: Dass der Zusammenhalt in der Firma sehr wichtig ist und, dass man auch Projekte gemeinsam gut meistern kann.

Amy Störr: Azubis sollten wissen: Wenn ihr ein Projekt habt oder etwas, wofür ihr brennt, ist es völlig in Ordnung nachzufragen und nach Hilfe zu fragen. Egal, ob man privat etwas bauen oder einfach etwas ausprobieren möchte, um zu schauen, wie etwas funktioniert. Habt keine Scheu und traut euch.

 

Das Interview führte Pauline Zschach, fint e.V.

Azubis sollten wissen: Wenn ihr ein Projekt habt oder etwas, wofür ihr brennt, ist es völlig in Ordnung nach Hilfe zu fragen. Egal, ob man privat etwas bauen oder einfach etwas ausprobieren möchte, um zu schauen, wie etwas funktioniert. Habt keine Scheu und traut euch.“


Amy Störr, Auszubildende bei der Tischlerei Jan Granzow GmbH

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